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Die Virtuelle Bibliothek Elise und Helene Richter – NS-Provenienzforschung in der USB Köln

NS-Raubgut in der USB

Die Bibliothek der Schwestern Elise und Helene Richter wurde im Rahmen der NS-Provenienzforschung in der USB Köln rekonstruiert und dokumentiert. Ausführliche Informationen in: Die Richterbibliothek heute. Das Ziel der "Virtuellen Bibliothek" ist, alle noch physisch fassbaren Bücher der ehemaligen Privatbibliothek zu erfassen. Dabei stellt die Erfassung und Beschreibung der USB-Bestände den ersten Schritt dar. Bücher aus dem Besitz der Schwestern befinden sich heute nicht nur in Köln, sondern u.a in der Österreichischen Nationalbibliothek, im Österreichischen Theatermuseum und in weiteren Institutionen.

Rekonstruktion der Bibliothek
Elise Richter
Elise Richter 1907
Helene Richter
Helene Richter
© Österreichische Nationalbibliothek

Elise und Helene Richter

Die Wiener Philologinnen Elise und Helene Richter besaßen gemeinsam eine umfangreiche Bibliothek mit anglistischem, romanistischem, sprachwissenschaftlichem und theaterwissenschaftlichem Schwerpunkt. Durch den 1938 erfolgten "Anschluss" ihrer österreichischen Heimat an das Deutsche Reich wurden die beiden Jüdinnen nahezu mittellos und sahen sich gezwungen, ihren Besitz, darunter auch ihre Bücher zu verkaufen. Aus diesem Grund nahm Elise Richter 1941 Kontakt zu Hermann Corsten, dem damaligen Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln auf. Bei einem Treffen in Wien wurde der Kauf von etwa 2.700 Bänden zum Preis von 4.500 Reichsmark vereinbart. Bevor es zu einer Überweisung des Betrages kam, wurden die Schwestern nach Theresienstadt deportiert. Die betagten Damen starben beide im Konzentrationslager.
Die Bücher ihrer Bibliothek kamen 1942 in die USB Köln und wurden in den Bestand eingefügt. Diese Erwerbung zählt zu den NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern. Die USB Köln ist nach Rücksprache mit der Universität zu Köln, sowie nach der Einverständniserklärung des Oberbürgermeisters der Stadt Köln bereit, die Richter-Bibliothek zu restituieren.

Im Zuge der Restitution kam es 2014 zu einer gütlichen Einigung mit den in England lebenden Erben. Danach verbleiben die Bücher in der USB Köln und stehen somit der Wissenschaft weiterhin zur Verfügung.

Richterbibliothek heute

Publikationen: Christiane Hoffrath: Bücherspuren: das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im "Dritten Reich"

Vorankündigung: "Mein zweites Leben soll nicht gemordet werden". Die Biographie von Elise Richter